Erholungsherzfrequenz
Wenige Minuten nach Belastungsende gemessenede HF

Modifiziert nach Willmore et al. 2008
Sowohl Ausdauertraining (1) als auch Krafttraining (2) vermögen die Kurve der Nachbelastungsherzfrequenz positiv zu beeinflussen. Das heißt, dass die Herzfrequenz von Athleten schneller zum Ausgangslevel zurückkehrt als bei nicht trainierten Personen (3). Unterschiedliche Erholungsherzfrequenz-Indices wurden in der Vergangenheit vorgeschlagen, um indirekte Aussagen über die Ausdauerleistungsfähigkeit machen zu können. Normalerweise wird dabei die eine-, zwei- oder drei Minuten nach Belastung gemessene Herzfrequenz von der Herzfrequenz bei Testende subtrahiert (4).
Um die Bedeutung der Erholungsherzfrequenz für die cardiovaskuläre Fitness abzuschätzen untersuchten Wissenschaftler die Beziehung zu anderen, grundlegenden physiologischen Parametern. So fanden Darr et al. (5), das eine ausgeprägte Ausdauerleistungsfähigkeit von trainierten Personen mit einer beschleunigten Rückgang der Herzfrequenz assoziiert ist. Dieses Ergebnis wird unterstützt von Du et al. (6), welche bei Marathonläuferinnen neben einer höheren VO2max, im Vergleich zur nicht trainierenden Kontrollgruppe auch eine verbesserte Erholungsherzfrequenz fanden. Leider wurden in beiden genannten Studien keine Korrelationskoeffizienten für die Parameter angegeben.
Da die Erholungsherzfrequenz durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst wird, die nicht in direktem Zusammenhang zum Training stehen (z.B. Umwelteinflüsse), wird die Messung häufig kritisch diskutiert (7). Daher sind allgemeingültige Grenzwerte ungeeignet und Richtlinien zur Interpretation sehr selten. Einige Autoren empfehlen aus den oben genannten Gründen die Erholungsherzfrequenz lediglich für die Überprüfung individueller Verbesserungen heranzuziehen, nicht jedoch für interindividuelle Vergleiche (3).
Eine aktuellere Studie von Bosquet et al. (8) untersuchte die Reliabilität von Messungen der Erholungsherzfrequenz. Sie verglichen dafür die Herzfrequenz nach zwei maximalen und zwei submaximalen Laufbandbelastungen von 30 gesunden Probanden. Interessanter Weise wiesen dabei die Rohdaten der Herzfrequenz eine höhere Reliabilität auf als die berechneten Indices. Die Autoren kamen daher zu dem Schluss, dass die Erholungsherzfrequenz möglichst als absolute Zahl und nicht als Differenz angegeben werden sollte.
Literaturangaben
(1) Yamamoto K, Miyachi M, Saitoh T, Yoshioka A, Onodera S. Effects of endurance training on resting and post-exercise cardiac autonomic control. Med Sci Sports Exerc 2001; 33(9):1496-1502.
(2) Heffernan KS, Fahs CA, Shinsako KK, Jae SY, Fernhall B. Heart rate recovery and heart rate complexity following resistance exercise training and detraining in young men. Am J Physiol Heart Circ Physiol 2007; 293(5):H3180-H3186.
(3) Wilmore JH, Costill DL, Gleim GW. Physiology of Sport and Exercise. Medicine & Science in Sports & Exercise 1995; 27(5).
(4) Kaya EB, Yorgun H, Akdogan A, Ates AH, Canpolat U, Sunman H et al. Heart-rate recovery index is impaired in Behcet's disease. Tex Heart Inst J 2009; 36(4):282-286.
(5) Darr KC, Bassett DR, Morgan BJ, Thomas DP. Effects of age and training status on heart rate recovery after peak exercise. Am J Physiol 1988; 254(2 Pt 2):H340-H343.
(6) Du N, Bai S, Oguri K, Kato Y, Matsumoto I, Kawase H et al. Heart rate recovery after exercise and neural regulation of heart rate variability in 30-40 year old female marathon runners. Journal of Sports Science and Medicine 2005; 4:9-17.
(7) Pierpont GL, Voth EJ. Assessing autonomic function by analysis of heart rate recovery from exercise in healthy subjects. Am J Cardiol 2004; 94(1):64-68.
(8) Bosquet L, Gamelin FX, Berthoin S. Reliability of postexercise heart rate recovery. Int J Sports Med 2008; 29(3):238-243.