Blutdruck unter Belastung

Veränderungen des Blutdrucks unter Belastung und mögliche Effekte von Ausdauersport auf den Bluthochdruck (Hypertonie)

Der Blutdruck ist der Druck, welcher in den Blutgefäßen und den Herzkammern vorherscht. Wenn umgangssprachlich vom Blutdruck gesprochen wird, dann ist meist der arteriellen Blutdruck gemeint. Das arterielle System ist also das Hochdrucksystem, welches das sauerstoffreiche Blut vom Herzen Richtung Organe transportiert. Die Höhe des Blutdrucks wird im Wesentlichen von dem Blutvolumen, dem Herzzeitvolumen und dem peripheren Gefäßwiderstand bestimmt. Der Blutdruck wird in der Regel mit 2 Zahlen angegeben (z.b. 120 zu 80). Der erste der beiden Werte entspricht dem Blutdruck, der währende der Systole vom Herzen aufgebaut wird und der zweite spiegelt den Blutdruck in der Phase der Diastole wieder.


Unter Ruhebedingungen gibt es exakt definierte Grenzwerte, die nicht überschritten
werden sollten. Die derzeitige Einteilung des JNC (Joint National Comitee on Detection, Education, and treatment of High Blood Pressure), beinhaltet zusätzlich für jeden Bereich Empfehlung für das weitere Vorgehen (1). Um Situative Einflüsse möglichst gering zu halten, sollte der Blutdruck 3mal im Sitzen (mit einer Pause von jeweils 5 Minuten) an 3 verschiedenen Tagen gemessen werden.

Modizifiziert nach: JNC on Detection, Education, and treatment of High Blood Pressure
Modizifiziert nach: JNC on Detection, Education, and treatment of High Blood Pressure



Unter Belastung steigt der systolische Blutdruck an. Dabei gelten Werte von bis zu 190-220mmHg gelten als normal (2). Höhere Werte entsprechen einer sogenannten Belastungshypertonie, die nach Ergebnissen verschiedener Studien) eine Ruhehypertonie vorhersagen kann (3;4).
Zwar kommt es bei Belastung zu einer Erniedrigung des peripheren Widerstandes (1/3 des Ruhewertes), jedoch steigt der Blutfluss überproportional an (um den Faktor 3 bei untrainierten und Faktor 5 bei ausdauertrainierten Personen), so dass es dennoch zu einem Blutdruckanstieg kommt.
Die diastolischen Werte (intraarteriell gemessen) steigen hingegen nur gering an. Der Abfall des diastolischen Wertes unter Belastung, gemessen mit einer Blutdruckmanschette stellt ein Artefakt dar (5). Die tatsächliche Erhöhung des diastolischen Wertes lässt sich nur invasiv (mit einem in der Arterie eingebrachten Meßfühler) messen.



Eine Studie mit afroamerikanischen Personen mit schwerer Hypertonie (siehe oben) konnte zeigen, dass ein regelmäßig ausgeführtes Training die Effektivität der medikamentösen Therapie deutlich unterstützen kann (6):
Eine Hälfte der Probandengruppe führte dabei ein Ausdauertrainingsprogramm aus (3 mal pro Woche, 45min, mit 75% der max HF), während der andere Teil der Gruppe keinen Sport trieb. Nach 16 Wochen zeigte sich in der Trainingsgruppe niedrigere RR-Werte (systolisch und diastolisch) und eine reduzierte linksventrikuläre Muskelmasse im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dieser Effekt hielt über 32 Wochen an, selbst nach Reduktion der antihypertensiven Therapie.


Fazit: Ausdauersport ist in der Lage den Blutdruck bei Belastung zu senken, patho-morphologische Veränderungen des Herzens zu reduzieren und die Menge der benötigten antihypertensiven Medikamente zu vermindern . Somit kann Ausdauersport als wirksame präventive Maßnahme zur Vorbeugung von Bluthochdruck angesehen werden. Die oft parallel einsetzende Körperfettreduktion führt ebenfalls zu einer Verminderung des Blutdrucks. Faustformel: pro kg Gewichtsabnahme sinkt der Blutdruck um 2mmHg



Empfehlung: Hypertoniker sollten, nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt ein leichtes Ausdauertraining ausführen. Besonders geeignet sind gleichbleibend dynamische Belastungsformen wie Walking und langsames Joggen. Ebenfalls kann ein leichtes Ergometertraining (ob zu Hause oder in einem Fitnessstudio) als sehr empfehlenswert eingestuft werden. Nicht empfehlenswert sind dagegen Hochleistungssport und intensives Krafttraining! Hierbei treten zu hohe Blutdruckspitzen auf, die in jedem Falle vermieden werden sollten. Gerade beim Krafttraining gilt die Pressatmung durch die intrathorakale Druckerhöhung als besonders problematisch (5)




Literaturangaben

(1) Chobanian AV, Bakris GL, Black HR, Cushman WC, Green LA, Izzo JL, Jr. et al. The Seventh Report of the Joint National Committee on Prevention, Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Pressure: the JNC 7 report. JAMA 2003; 289(19):2560-2572.
(2) Tzemos N, Lim PO, MacDonald TM. Is exercise blood pressure a marker of vascular endothelial function? QJM 2002; 95(7):423-429.
(3) Dlin RA, Hanne N, Silverberg DS, Bar-Or O. Follow-up of normotensive men with exaggerated blood pressure response to exercise. Am Heart J 1983; 106(2):316-320.
(4) Wilson NV, Meyer BM. Early prediction of hypertension using exercise blood pressure. Prev Med 1981; 10(1):62-68.
(5) Hollmann W, Hettinger T, Strueder H. Sportmedizin. Grundlagen für Arbeit, Training und Präventivmedizin. 4 ed. Stuttgart: Schattauer Verlagsgesellschaft mbH; 2000.
(6) Kokkinos PF, Narayan P, Colleran JA, Pittaras A, Notargiacomo A, Reda D et al. Effects of regular exercise on blood pressure and left ventricular hypertrophy in African-American men with severe hypertension. N Engl J Med 1995; 333(22):1462-1467.

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