Rauchen und Sport
Einfluß von Tabakkonsum auf die körperliche Leistungsfähigkeit im Sport

Der Einfluss von Zigaretten auf den Körper lässt sich in Sofortreaktionen und Langzeitschäden einteilen.
Sofortreaktionen:
Bereits nach dem Konsum einer einzigen Zigarette zeigt der Körper Reaktionen, welche die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
1. Durch Inhalation gelangt das Nikotin in die Blutbahn, wo es durch Freisetzung von Noradrenalin den Körper in eine Art Alarmbereitschaft versetzt - "stiller Stress" für den Körper (2). Sowohl der Impulsgeber für die HF (Sinusknoten), als auch der Messfühler für den Blutdruck am Hals (Carotissinus) und der Gefäßtonus (Vasokonstriktion) werden durch das Nikotin beeinflusst. Dadurch steigt die HF für bis zu 45min um ca. 10 Schläge, bei gleichzeitiger Blutdruckerhöhung. Beides zusammen lässt den Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur ansteigen.
2. Nikotin führt darüber hinaus zu einer früher einsetzenden Leistungsminderung. Das liegt zum einen an einer erhöhten Stoffwechsellage, wodurch die Glycogenspeicher vorzeitiger erschöpft sind und zum anderen an einer "Downregulation" der Beta-Rezeptoren am Herzen durch die chronisch erhöhten Noradrenalinwerte (3).
3. In Ruhe kommt es bei der besagten Stoffwechselsteigerung zu einer Erhöhung der Glucose und freien Fettsäuren im Blut ohne, dass diese Stoffe benötigt werden (Erhöhung des Arterioskleroserisikos) (2).
4. Das Hungergefühl wird gedrosselt (4). (Mit Entwöhnung nehmen Ex-Raucher im Schnitt 2-2,3kg zu)
5. Durch die Bindung des entstehenden Kohlenstoffmonoxids (CO) an Hämoglobin reduziert sich die Sauerstofftransportkapazität des Blutes. Um nun die selbe Menge an Sauerstoff zu transportieren ist das Herz gezwungen bei gleicher Belastung das HZV (Herzzeitvolumen) zu erhöhen, wodurch der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels weiter ansteigt. Ein Raucher mutet seinem Körper mit einer Zigarette eine Verminderung der Sauerstoffangebotes zu, die einem plötzlichen Aufstieg von Meereshöhe auf 1300m gleichkommt (5).
6. Durch eine Teildepolarisierung der Chemorezeptoren im Bereiche des Glomus Caroticum wird das Ansprechverhalten auf erhöhte CO2 Werte verändert, so dass es zu einer Atemfrequenzsteigerung kommt (2).
Langzeitschäden
Von den 4000 in einer Zigarette enthaltenen chemischen Stoffen sind ca. 40-60 krebserregend. Häufig wird primär nur der Lungenkrebs mit dem Zigarettenkonsum assoziiert. Es sind jedoch weit mehr Erkrankungen die nachweislich durch die Inhalation von Tabakrauch verursacht werden.
1.

2. Verstärkte Infektneigung der oberen Luftwege durch Störung des Flimmerepithels, sind besonders im Sport durch die entstehenden Trainingspausen problematisch (6).
3. Geringerer Muskelaufbau und beschleunigter Muskelabbau: Rauchen erhöht die Aktivität des Myostatins, welches zu einer Hemmung des Muskelaufbaus führt und des MAFbx, wodurch es zu einem gesteigerten Muskelabbau kommt (7). Darüber hinaus ist die anaerobe Leistungsfähigkeit durch den Nikotinkonsum beeinträchtigt (8), was sich auf ein Krafttraining negativ auswirkt .
4. Beeinträchtigung der links- und rechtsventrikulären diastolischen Funktion bei chronischen Rauchern (9).
Magengeschwüre
5. Erhöhtes Risiko für Osteoporose und Bandscheibendegeneration
6. Nierenkarzinom (Rauchen verdoppelt das Erkrankungsrisiko)
7. Speiseröhrenkrebs (Oesophaguskarzinom)
8. Morbus Chron
9. Kehlkopfentzündungen (Laryngitis) und Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)
10. Gebährmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
Im Durchschnitt liegt die Lebenserwartung für Raucher um 7,5 Jahre niedriger als für Nichtraucher!
Training hilft gegen Entzugserscheinungen
Training kann laut Taylor et al. (10) das Verlangen nach Nikotin senken. Dies zeigte die Auswertung von Studien zwischen 1983-2006. Dabei kommt es nicht auf die Intensität des Trainings an. Die Bewegung an sich scheint (bis fast eine Stunde nach dem Training) ähnliche Gehirnregionen anzusprechen wie das Rauchen selbst und vermag dadurch die Entzugssymptome zu minimieren.
Literaturangaben
(1) Statistisches Bundesamt Deutschland. Pressemitteilung Nr.238 vom 30.05.2005. Internet . 2005. Wiesbaden, Statistisches Bundesamt.
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(2) Lüllmann H, Mohr K. Taschenatlas der Pharmakologie. 4 ed. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2001.
(3) Huie MJ. The effects of smoking on exercise performance. Sports Med 1996; 22(6):355-359.
(4) Perkins KA, Epstein LH, Stiller RL, Fernstrom MH, Sexton JE, Jacob RG et al. Acute effects of nicotine on hunger and caloric intake in smokers and nonsmokers. Psychopharmacology (Berl) 1991; 103(1):103-109.
(5) Riede UN, Schäfer HE. Allgemeine und spezielle Pathologie. 4 ed. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2001.
(6) Dye JA, Adler KB. Effects of cigarette smoke on epithelial cells of the respiratory tract. Thorax 1994; 49(8):825-834.
(7) Petersen AM, Magkos F, Atherton P, Selby A, Smith K, Rennie MJ et al. Smoking impairs muscle protein synthesis and increases the expression of myostatin and MAFbx in muscle. Am J Physiol Endocrinol Metab 2007; 293(3):E843-E848.
(8) Fukuba Y, Takamoto N, Kushima K, Ohtaki M, Kihara H, Tanaka T et al. Cigarette smoking and physical fitness. Ann Physiol Anthropol 1993; 12(4):195-212.
(9) Karakaya O, Barutcu I, Esen AM, Kaya D, Turkmen M, Melek M et al. Acute smoking-induced alterations in Doppler echocardiographic measurements in chronic smokers. Tex Heart Inst J 2006; 33(2):134-138.
(10) Taylor AH, Ussher MH, Faulkner G. The acute effects of exercise on cigarette cravings, withdrawal symptoms, affect and smoking behaviour: a systematic review. Addiction 2007; 102(4):534-543.
(11) CDC. Tobacco Use - Targeting the Nation's Leading Killer: At a Glance. Internet , 1-4. 2010. Atlanta, National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion.
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