Doping und Sport
Wirkstoffe, Nebenwirkungen und Geständnisse
Doping ist definiert als die Anwendung verbotener Stoffe oder Methoden zur Leistungssteigerung. Die Liste der betroffenen Substanzen wird vom IOC (International Olympic Comitee) und der WADA (World Anti-Doping Agency) herausgegeben und aktualisiert.
Die Geschichte des Dopings reicht weit zurück, da schon immer ein Interesse daran bestand sich im Wettkampf einen zusätzlichen Vorteil zu verschaffen. Waren es in der Antike Pflanzenextrakte oder z.B. Stierhoden, so sind es heute Kombinationen von pharmakologischen Substanzen die zur Leistungssteigerung herangezogen werden. Die in Deutschland auf dem Schwarzmarkt gehandelten Dopingmittel stammen zum Großteil aus Rußland, der Ukraine oder Litauen, aber auch aus China und Thailand.
In einigen Sportarten, wie z.B. dem Bodybuilding, ist es seit jeher unmöglich ohne Anabolika an die Weltspitze zu gelangen. Selbst Gouverneur Arnold Schwarzenegger gibt heute zu, bis 1990 Anabolika genommen zu haben.
Auch wenn durch die Dopingaffairen der
"Tour de france" 2007 starke Empörung über den Radsport in der Bevölkerung hervorgerufen wurde, so muss man doch sagen, dass außer dem Medieninteresse nichts wirklich neues daran zu finden ist. So sind schon die Radsportlegenden Eddy Merckx, Fausto Coppi oder Jacques Anquetil positiv getestet worden, oder legten nach Beendigung ihrer Radsportkarriere ein Doping-Geständnis ab. Der Unterschied zu heute ist nur das öffentliche Interesse und die härtere Bestrafung von
Dopingsündern.
Das Doping nicht nur ein Thema im Bodybuilding und Radsport ist dürfte klar sein. Überall dort, wo es durch Leistungssteigerung um Ruhm und Geld geht wird man auf Sportler treffen die bereit sind mit verbotenen Substanzen ihre Leistung zu verbessern.
Die WADA und das IOC unterscheiden folgende Dopingarten:
Verbotenen Wirkstoffgruppen

Beispiel für ein Ababolikum aus Russland
Anabolika: Erstes Anabolikum war das sog. "Dianabol" der Firma Ciba-Geigy (Basel) mit dem Wirkstoff Methandrostenolon, das Ende der 50er Jahre auf den Markt kam, nachdem man erkannt hatte, dass Training unter Testosteroneinnahme die Muskelmasse über das natürliche Maß hinaus ansteigen ließ. Erst 1979 wurde Anabolika vom Deutschen Sportbund in die Dopingliste aufgenommen. Heute existieren eine Vielzahl an Wirkstoffvarianten wie Boldenon, Nandrolon, oder DHEA (Prohormon), die vorallem in Fitnessstudios ihre Anwendung finden. Im Spitzensport führten jedoch immer bessere Nachweismethoden dazu, dass anstatt Anabolika immer mehr Wachstumshormone eingesetzt werden.
NEBENWIRKUNGEN:
erhöhtes Arteriosklerose- und Herzinfarktrisiko (durch Verminderung der HDL-Fraktion im Blut); Schädigung der Herzmuskelzelle (durch Hypertrophie ohne adäquate Blutversorgung der Muskelzelle); irreversible Leberschädigung (bes. durch 17-methylierte Steroide); Akne (durch Einfluss auf die Talgdrüsen); Wassereinlagerung mit Gewichtszunahme (durch verminderte Natriumausscheidung); erhöhtes Thromboserisiko (durch Veränderung von Gerinnungsfaktoren); Gynäkomastie (= weibliche Brustbildung beim Mann durch Umwandlung einiger Anabolika in Estrogene); Virilisierung (=Vermännlichung bei Einnahhme durch Frauen: männlicher Behaarungstyp, tiefere Stimme, Klitorishypertrophie...); erhöhtes Krebsrisiko (Leberkrebs, Prostatakrebs)
Wachstumshormone (STH): Die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta galten inoffiziell als die Wachstumshormon-Spiele, da die Athleten wussten, dass diese Dopingvariante noch nicht nachweisbar war. Aber auch nachdem Forscher der Universität München 1999 ein Verfahren vorstellten, die einen Nachweis für die Spiele 2000 in Sydney möglich machte, verzögerte das IOC die Einführung unnötig. Somatotropin (Wachstumshormon) wird normalerweise vom Hypophysenvorderlappen (=Hirnanahangsdrüse) gebildet und bewirkt eine vermehrte Eiweißsynthese (Muskelwachstum) bei gleichzeitig gesteigerten Lipolyse (Fettabbau). Diese Eigenschaften machen STH besonders attraktiv als Dopingmittel. Nach Einnahmestopp lässt die Wirkung jedoch schnell nach.
NEBENWIRKUNGEN:
erhöhter Blutzuckerspiegel (durch insulinantagonistische Wirkung) mit diabetesähnlichen Folgeschäden; Wachstum innerer Organe mit erhöhtem Risiko für den plötzlichen Herztod; Arthralgien (=Gelenkschmerzen); Myalgien (=Muskelschmerzen); Karpaltunnelsyndrom. Einige auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Präparate werden nicht gentechnisch hergestellt, sondern aus der Hirnanhangsdrüse von Leichen gewonnen. Diese bergen die Gefahr der Verunreinigung und der Infektion mit dem tödlichen Creuzfeld Jakob Virus (betroffen sind besonders Wachstumshormone aus Litauen).
Erythropoetin: EPO ist ein hämatopoetischer Wachstumsfaktor, was bedeutet, dass er die Bildung der roten Blutkörperchen stimuliert. Er wird in der Niere gebildet und von dieser ausgeschüttet, wenn der Sauerstoffpartialdruck im Blut sinkt. Gentechnisch hergestelltes Erythropoetin wird normalerweise zur Therapie der sog. renalen Anämie angewendet. Da durch Injektion auch bei gesunden Personen die Anzahl der Erythrocyten und damit die Sauerstofftransportkapazität steigt, eignet es sich besonders zum Doping in Ausdauerdisziplinen.
NEBENWIRKUNGEN:
dosisabhängige Blutdruckerhöhung (durch den Hämatokritanstieg); erhöhte Thrombosegefahr besonders im Bereich von Herz und Gehirn (durch verstärkte Aggregationsneigung der Erythrocyten), dies erhöht das Risiko für: Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie; Eisenmangel (durch den erhöhten Bedarf bei der Erytrhopoese); Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Diuretika: Diuretika sind Stoffe welche die Harnausscheidung fördern. Ihre Wirkung entfalten sie i.d.R. (Ausnahme: Osmodiuretika) durch eine reversible Hemmung von Transportprozessen am Gangsystem der Niere, wodurch Elektrolyte wie z.B. Natrium ausgeschieden werden und ihnen sekundär das Wasser folgt. In der Medizin werden diese Stoffe zur Therapie von Bluthochdruck, Herzinsuffizienzen oder z.B. von Ödemen benutzt. Im Sport finden diese Mittel vorallem Anwendung zur Veringerung des Körpergewichtes um in den Grenzen einer angestrebten Gewichtsklasse zu bleiben. Aber auch zur Verschleierung von anderen Dopingmitteln werden Diuretika eingesetzt. Hier wird der durch die vermehrte Harnausscheidung entstehende Verdünnungseffekt genutzt.
NEBENWIRKUNGEN:
Elekrtolytverluste mit der Gefahr von HRST (=Herzrhythmusstörungen), Flüssigkeitsverluste mit initialem Blutdruckabfall und Kreislaufstörungen bis zum Kollaps, Muskelkrämpfe (durch Elektrolytverschiebung), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Narkotika: Zu den Narkotika gehören vorallem die Morphine und deren Derivate. Eingesetzt werden sie in der Medizin als starke Schmerzmittel (z.B. bei Tumorpatienten). Werden die Narkotika in diesem Zusammenhang gegeben ist das Abhängigkeitspotential sehr niedrig. Nimmt man Substanzen dieser Stoffgruppe jedoch als Dopingmittel ein (also ohne adäquaten Schmerz), so ist ihr Suchtpotential und das nach dem Absetzen entstehende Entzugssyndrom nicht zu unterschätzen. Über den schmerzstillenden Einfluss hinaus, zeigen Narkotika einen beruhigenden und euphorisierenden Einfluß auf die Psyche, welcher vorallem in Sportarten von Nutzen ist, bei dem Konzentration und eine "ruhige Hand" entscheidend ist (z.B. Golf). Da sie für sich alleine keinen Leistungssteigernden Effekt aufweisen, wurden die Narkotika in der Vergangenheit gerne mit Stimulanzien kombiniert. Dadurch waren höhere Leistungen bei vermidertem Schmerzempfinden möglich (bes. interessant für Ausdauer- und Kampfsportarten). Da es schon lange möglich ist diese Substanzen nachzuweisen, werden sie heutzutage nurnoch selten angewendet. Verboten sind Narkotika seit 1967.

NEBENWIRKUNGEN:
akute Nebenwirkungen zeigen sich je nach Dosierung in Form von Atemlähmung (durch verminderte CO2 Empfindlichkeit des Atemzentrums), Kreislaufschock bis hin zum Tod; bei chronischer Einnahme ist vorallem die Gefahr der körperlichen und psychischen Abhängigkeit zu nennen (durch gesteigerte Aktivität der Adenylatcyklase); Toleranzentwicklung (für die gleiche Wirkung muss eine immer höhere Dosis eingenommen werden); erst emetisch (Brechreiz auslösend) später antiemetisch (durch anfängliche Stimulation des Brechzentrums und späterer Hemmung); Anstieg des Hirnwasserdrucks (durch CO2 Anstieg infolge der Atemdepression kommt es zu einer Weitstellung der Gefäße im Gehirn)
Stimulanzien: Amphetamin ("speed"), Ephedrin, MDMA (Ecstasy), Kokain und Koffein gehören in diese Gruppe. Sie wirken euphorisch, vermindern das Erschöpfungsgefühl und steigern die Leistngsfähigkeit, wodurch sie in vielen Sportarten als Dopingmittel ihre Anwendung finden. Ihre Wirkung entfalten sie durch eine Freisetzung von Noradrenalin und Adrenalin aus ihren Speichern. Dadurch kommt es zu einer Weitstellung der Bronchien, was eine höhere Sauerstoffaufnahme ermöglicht. Hinzu kommt eine positiv chronotrope (HF steigt) und dromotrope (erhöhte Schlagkraft) Wirkung, welches die Leistung weiter ansteigen lässt. Sie werden meist kurz vor dem Wettkampf eingenommen. Einige Stimulanzien sind bei diagnostizierter Erkrankung erlaubt, so auch Beta-2-Agnoisten zur Therapie von Asthma bronchiale. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass fast 80% der Leistungssportler Asthmatiker sind, wohingegen diese Erkrankung in der Durchschnittsbevölkerung gerademal 5% ausmacht.
NEBENWIRKUNGEN:
erhöhter Blutdruck und erhöhter Puls, HRST (=Herzrhythmusstörungen vermittelt über Beta-1-Rezeptoren); Vasokonstriktion mit Gefahr von Koronarspasmen (vermittelt über Alpharezeptoren); Muskelkrämpfe; Tremor (vermittelt über Beta-2-Rezeptoren); erhöhte Körpertemperatur; Kopfschmerzen; Appetitlosigkeit (zentrale Wirkung); Übelkeit; Schlafstörungen und erhöhte Aggressivität. Besonders belastend für das Herzkreislaufsystem ist die Kombination von Amphetaminen mit Nakrkotika (s.o).
Verbotenen Methoden
Blutdoping: Bei dem Blutdoping verfolgt man das selbe Ziel wie bei der Gabe von EPO: Erhöhung der Sauerstofftransportkapazität des Blutes durch Erhöhung der Erythrocytenzahl. Man unterscheidet die Eigenblut-Rücktransfusion von der Fremdblutübertragung. Bei ersterer nimmt man dem Sportler etwas mehr als einen Liter Blut ab, um ihm die isolierten "Erys" kurz vor dem Wettkampf wieder zu Reinfundieren. Dadurch erhöht sich der Hämatokrit und mit ihm die O2-Transportkapazität, was die Ausdauerleistungsfähigkeit bis zu 5% ansteigen lässt. Blutdoping ist seit 1988 laut dem IOC und der WADA verboten. Da seit 2000 der Nachweis von EPO gelingt, wird das schon seit den 70ern angewendete Blutdoping wieder attraktiver für die Athleten.
NEBENWIRKUNGEN:
Gefahr der Entstehung eines Lungenödems; erhöhtes Risiko für ein Herzkreislaufversagen (Überlastung des kardiovaskulären Systems); durch Hämolyse bei Konservierung und Retransfusion kommt es zu einem asymptomatischen hämolytischen Ikterus (=gelbfärbung der Haut); bei nicht ausreichend kontrollierten Fremdblutkonserven besteht die Gefahr der Übertragung von Viren wie HIV, Hepatitis und CMV; außerdem muss bei Fremdblut immer mit Inkompatibilitätsreaktionen gerechnet werden: Unruhe, Angstzustände und abdominelle Schmerzen
chemische, pharmakologische und physikalische Manipulation: laut dem Art. 5 des Doping-Kontroll-Reglements 2004 fallen darunter: "Die Verwendung von Substanzen und Methoden sowie maskierender Substanzen, die die Unversehrtheit und Rechtsgültigkeit von Urinproben bei Dopingkontrollen beeinflussen, beabsichtigen sie zu beeinflussen oder bewusst riskieren sie zu beeinflussen". Dies bedeutet, dass z.B. eine Verdünnung von Urin zur Verschleierung des Testergebnisses, oder sogar der Austausch von Urin durch eine Katheterisierung verboten ist. Selbst das "Einblasen von Luft in den Darm bei Schwimmern" ist laut Hollmann und Hettinger (Hollmann und Hettinger, 2000) im Jahre 1976 schon vorgekommen.
Mit Einschränkungen Zugelassene Wirkstoffgruppen
Alkohol
Betablocker
Cortikosteroide
Lokalanästhetika
Marihuana