Impotenz durch Radsport

Kann der richtige Fahrradsattel den hohen Druck sowie die Mikroverletzungen im Dammbereich verhindern?

So ziemlich jeder, der viel Zeit auf dem Fahrrad verbringt, kennt das taube Gefühl im Schritt, welches nach einigen Kilometern auftritt. Liest man dann solche Aussagen, wie die des bostoner Urologen Irwin Goldstein: "Es gibt nur zwei Sorten männlicher Radfahrer - die einen sind impotent, die anderen werden es" (1997), dann kommt man schon leicht ins Grübeln.

Aber was ist überhaupt Impotenz? Man unterscheidet zwei Formen, die Impotentia generandi (Infertilität) und die Impotentia coeundi (erektile Dysfunktion). In beiden Fällen liegt eine Unfähigkeit (Impotenz = Unvermögen) zur Fortpflanzung vor, jedoch durch unterschiedliche Mechanismen.

Die Ursache für eine Infertilität (=Unfruchtbarkeit) kann durch Störungen im Bereich der Hypophyse, der Testes (=Hoden) oder der Samenwege liegen. Besonders Entzündungen der Nebenhoden, der Prostata oder der Samenbläschen spielen hier eine entscheidende Rolle.
Für die Erektionsstörungen sind vorallem Durchblutungsstörungen verantwortlich. So gelten Diabetes, Hyperlipidämie, Hypertonie und Nikotinkonsum als Risikofaktoren. Da man davon ausgeht, dass auch beim Fahrradfahren durch Druck auf den Dammbereich eine Durchblutungsminderung entsteht, kann man davon ausgehen, dass auch hier mit einer erektilen Dysfunktion zu rechnen ist.

Und tatsächlich haben Forscher herausgefunden, dass der Sauerstoffpartialdruck von 61,2 ± 8,3 mmHg im Stehen sich auf 17,8 ± 3,7 mmHg durch das Setzen auf einen Fahrradsattel verminderte, was einer Reduktion der Durchblutung von 70% entspricht (Sommer et al., 2001). Diese Verminderung der Durchblutung kann als Risikofaktor für erektile Dysfunktionen angesehen werden (Schwarzer et al., 1999). Hinzu kommen vorallem beim Mountainbike Stöße, welche Mikroverletzungen im Dammbereich hervorrufen können, welche Prof. Knebel (Chefarzt der Urologie am Elisabetz Krankenhaus Mönchengladbach) in einem Interview mit der Rheinischen Post mit den Erektionsschwierigkeiten und Prostataentzündungen in Verbindung bringt. Wie Forscher der Universität Innsbruck in einer im Lancet veröffentlichten Studie mitteilten, sind besonders "Hardtail - Mountainbiker" betroffen. Die untersuchten Sportler, welche im Schnitt 5000km/ Jahr auf dem Fahrrad zurücklegten, zeigten vermehrt Einblutungen und Vernarbungen im Bereich des Hodens und der Nebenhoden (Frauscher et al., 2000).

Jedoch handelt es sich bei einer Erektion um einen neurovaskulären Vorgang, was bedeutet, dass neben der Durchblutung auch eine ungestörte nevale Versorgung wichtig ist. Aber gerade das Taubheitsgefühl, welches sich einstellt spricht gegen eine solche ungestörte Versorgung. In einer Studie, welche an 1786 Radfahrern durchgeführt wurde gaben 64,3% der befragten Personen ein penibles Taubheitsgefühl an und immerhin 13,1% litten an einer erektile Dysfunktion (Schwarzer et al., 1999).

Entscheidend für die Durchblutung ist die breite des Sattels (Schwarzer et al. 2000), die richtige Sattelneigung (horizontal oder 1-3° nach unten geneigte Sattelnase)(Schwarzer et al., 1999), sowie häufige Sitzpositionswechsel (Wiegetritt). Eine Sitzposition weit hinten auf dem Sattel ist zu bevorzugen, da somit die Druckbelastung mehr von den Beckenknochen aufgenommen werden kann und der Dammbereich entlastet wird.

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