Muskelverletzungen

Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelabriss

In einer Untersuchung von Menke et al. aus dem Jahre 1996, bei der die über 10 Jahre regestrierten Verletzungen von Sportstudenten der kölner Sporthochschule analysiert wurden, lagen die Muskelverletzungen, nach den Bandverletzungen (33,5%) und den Stauchungen (17,6%), mit 16,8% an dritter Stelle (Menke et al., 1996).

Die Verletzungen treten insbesondere am Übergang zwischen Muskulatur und Sehnengewebe auf und entstehen meist bei raschen Beschleunigungs- bzw. Abbremsbewegungen. Der Grund dafür sind die hierbei entstehenden hohen intramuskulären Spannungsspitzen. Da besonders die unaufgewärmte Muskulatur gefährdet ist, sollte bei "Risikosportarten", wie den meisten Ballsportarten (Fußball, Squash, Badminton) auf eine ausreichende Aufwärmphase geachtet werden.

Je nach Ausmaß der Strukturzerstörung unterscheidet man:
  • Muskelzerrung
  • Muskelfaserriss
  • Muskelabriss





  • Muskelzerrung

    Die Muskelzerrung entsteht durch eine über das physiologische Maß hinausgehende Dehnung der Muskulatur. Die Menge der zerstörten Muskelfasern ist gering, so dass auch von einer Muskelverletzung ersten Grades gesprochen wird.
    Der krampfartige Schmerz tritt nach Überlastung meist rasch auf und ist gut lokalisierbar. Da die Intensität des Schmerzes in der ersten Phase nach der Verletzung etwas zurück geht, unterbrechen viele Sportler ihre Aktivität oft erst mit einer Verzögerung. Charakteristisch für den Schmerz ist eine Verstärkung durch Druck auf die betroffene Stelle (Druckschmerz) und Schmerzen bei Anspannung (Anspannungsschmerz) des jeweiligen Muskels. Um die Heilung zu unterstützen sollte der Bereich mind. 1-2Wochen lang geschont werden bevor das Training wieder aufgenommen wird. Akutbehandlung s.u..











    Muskelfaserriss

    Bei der Muskleverletzung zweiten Grades handelt es sich um den sog. Muskelfaserriss, bei dem die Anzahl der gerissenen Muskelfasern so hoch liegt, dass unmittelbar nach der Verletzung häufig eine Delle sicht- und tastbar wird. Diese Delle entspricht dem, durch die Verletzung verursachten Strukturschaden der Muskulatur.

    Die Regenerationsfähigkeit der Muskulatur ist relativ hoch, so dass die Therapie, wie bei der Muskelzerrung, konservativ bleibt. Die verletzte Muskulatur heilt jedoch unter Bildung von Narbengewebe (Defektheilung), welches weniger elastisch ist als das umliegende Muskelgewebe. Infolge dessen ist das Grenzgewebe zwischen Narbe und Muskulatur besonders anfällig für weitere Verletzungen. Die benötigte Regenerationszeit beträgt je nach Ausmaß der betroffenen Muskelstruktur ca. 2-6 Wochen. Bei Wiederaufnahme des Trainings sollte man besonders vorsichtig vorgehen und dem Körper die Möglichkeit geben den geschwächten Bereich an die neue Belastung zu gewöhnen.









    Muskel(ab)riss

    Wenn alle Muskelfasern bei einer Überlastungssituation durchtrennt werden liegt ein kompletter Muskelriss vor, der auch Muskelverletzung dritten Grades genannt wird. Die Schmerzen treten unmittelbar nach dem Verletzungsmechanismus auf und ein Anspannen des betroffenen Muskels ist unmöglich, was zum sofortigen Abbruch der sportlichen Aktivität führt.
    Durch eine gewisse Eigenelastizität zieht sich die Muskulatur auf beiden Seiten des Risses zurück, so dass neben der entstehenden Delle meist ein Muskelwulst ober- oder unterhalb des Risses tastbar wird. In den meisten Fällen werden solche ausgeprägten Verletzungen operiert um die Funktionalität wieder herzustellen. Eine Ausnahme bildet oft die lange Bicepssehne, da ein Riss der Gleichen die Kraft des Armes nur unwesentlich einschränkt. Hier wird die OP Indikation meist in Abhängigkeit vom sportlichen Anspruch des Patienten gestellt, oder aus ästhetischen Gründen operiert.
    Die Genesungszeit liegt in der Regel zwischen 2 und 4 Monaten (je nach betroffenem Muskel).


    THERAPIE:
    Die Akutbehandlung der oben genannten Muskelverletzungen besteht aus folgenden Punkten:
  • Pause: Abbruch der sportlichen Aktivität
  • Eis: Kühlung der betroffenen Muskulatur (CAVE: Eis nicht unmittelbar auf die Haut aufbringen!)
  • Compression: Kompressionsverband (CAVE: Nicht zu eng wickeln!)
  • Hochlagern: Die verletzte Region sollte höher gelagert werden als das Herz.


  • Ziel dieser sogenannten PECH-Regel ist es die Einblutung in das Gewebe soweit wie möglich zu reduzieren. Passive Bewegungen und Massagen erhöhen die Durchblutung und sind daher zu vermeiden.